Die Glögglifrösche am Belchentunnel


Mit dem Bau des Sanierungstunnels Belchen hatte das ASTRA ein spezielles Problem zu lösen, das gut zum Schwerpunkt „Umwelt“ dieser Ausgabe passt: In der für die Lagerung des Ausbruchs vorgesehenen Tongrube lebte eine der grössten Populationen der bedrohten und deshalb geschützten Geburtshelferkröte in der Schweiz, im Volksmund wegen ihres Rufes Glögglifrösch genannt. Mit der Umsiedlung ist das Umweltberatungsbüro Hintermann & Weber beauftragt. Projektleiterin Barbara Schlup, Forstingenieurin ETH, stellt uns eine kleine Baustelle mit einem grossen Umweltaspekt vor.

Eines stellt Barbara Schlup gleich zu Beginn klar: „Eine Umsiedlung ist immer die letzte der möglichen Massnahmen.“ Ihr Anliegen ist es, ökologisch fachgerechte Lösungen zu finden. Aber sie ist pragmatisch und lösungsorientiert. Tut, was sie tun kann. Im Fall der Umsiedlung der Glögglifrösche im Zusammenhang mit dem Ausbau der 3. Röhre am Belchen war die Ausgangslage klar. Die Lagerung des Tunnelausbruchs in der nur einen Kilometer entfernten stillgelegten Tongrube war entschiedene Sache. Nun galt es, für die Glögglifrösche ein neues Quartier zu finden.

Suchen und Finden

Und wie geht Schlup vor, wenn sie einen solchen Auftrag bekommt. „Ich sammle Informationen, frage mich durch“, beschreibt sie die ersten Vorbereitungsarbeiten für ihre Baustelle im Mai 2013. Während dem sie in der Tongrube nach Spuren der ausschliesslich nachtaktiven Amphibien suchte, von denen nur die Männchen einmal pro Jahr ans Wasser wandern, um die Larven aus den Eischnüren schlüpfen zu lassen, wurden mit eher leichten und kleinen Baumaschinen Ersatzlebensräume in unmittelbarer Nähe gebaut.

Schlup und ihr Projektteam wurden fündig. Und zwar in sogenannten Blockschutthaufen, die sich durch die Verwitterung von der durch den Tonabbau freigelegten Kalksteinwand bildeten. Wie und wann die Tiere gefangen werden sollten, war auch relativ rasch klar. Einerseits sollten die Männchen mit Zäunen daran gehindert werden, zum Teich in der Tongrube zu gelangen. Als Fallen wurden in den Boden eingelassene Plastikkübel verwendet. Und damit das Schlüpfen der Larven trotzdem möglich war, wurden sogenannte „Gebärsäle“ eingerichtet. Anderseits wurden herumwandernde Kröten auf Nahrungssuche im Dunkeln mit Taschenlampen gesucht und eingesammelt.

Menschen und Maschinen

„Ohne freiwillige Helfer wäre die Umsiedlung nicht möglich gewesen“, sagt Barbara Schlup. Rund 25 Freiwillige waren in den Monaten April – Juli der Jahre 2014 und 2015 abwechselnd auf Pikett, um bei idealen Wetterbedingungen in der Nacht auf Kröten-Fang zu gehen. Die gefangenen Tiere wurden in mit Erde und Laub ausgestatteten Plastikbehältern zwischengelagert und am Ende der rund dreitätigen Fangaktionen jeweils von Mitgliedern des Projektteams von Hintermann & Weber nach der Erhebung von Forschungsdaten umgesiedelt. Als Werkzeuge dienten Plastikkübel, Plastikharassen, Kescher zum Einsammeln von Kaulquappen und Taschenlampen.

Die fünf neu gebauten Ersatzlebensräume liegen maximal 500 Meter vom ursprünglichen Wohnort der Glögglifrösche entfernt und wurden nach deren Bedürfnissen gestaltet. Sei es mit bis tief in den Grund versenkten Blocksteinhaufen oder mit dem Abtrag der Humusschicht und der so freigelegten Kalksteinwand. Während eines Jahres nach der Umsiedlung wurden die neuen Lebensräume zudem umzäunt, um eine Abwanderung zu verhindern.

Ende gut?

Ob die Umsiedlung gelungen ist, ist zum heutigen Zeitpunkt schwierig zu beurteilen. Und auf die Frage, wie man denn überhaupt wisse, wie viele Tiere vorhanden waren und wie viele am neue Standort denn auch bleiben würden, antwortet Schlup: „Sind die Tiere – wie in diesem Fall - nicht mit einem Sender ausgestattet, müssen wir uns auf Schätzungen verlassen.“ Man weiss, dass vor der Umsiedlung pro Nacht rund 100 männliche Kröten gerufen haben. Und diese dann rund 10 – 20 % der vorhandenen Population ausmachen. So gesehen dürfen Schlup und ihr Team bei einer Gesamtzahl von über 1300 eingesammelten Kröten und 2000 eingesammelten Kaulquappen von einer gelungenen Aktion sprechen. Und ein Jahr nach der Umsiedlung sind an allen Standorten rufende Tiere und Kaulquappen vorhanden. Eine Erfolgskontrolle wird nach 1, 2, 3, 5 und 7 Jahren durchgeführt.

Auf die Frage, wie den die Zusammenarbeit mit den Bauarbeitern war, schmunzelt Schlup: „Ach, die haben natürlich immer gesagt, jetzt kommen wieder die mit den Fröschen! Aber wir hatten eine sehr enge und gute Zusammenarbeit“, betont sie. Und: „Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als mich der Polier anrief und mir sagte, die ganze Baustelle sei voller Frösche, so könne er nicht mehr arbeiten.“ Natürlich hat Schlup zusammen mit Freiwilligen die Kübel gepackt und auch noch eine Ladung Grasfrösche auf Wanderschaft eingesammelt und heil in den Wald zurückgebracht.


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