Ein Teppich aus Einfamilienhäusern


74 zweigeschossige Einfamilienhäuser auf einer Fläche von 48‘700 m2 baut die rpr GmbH in Corminboeuf bei Fribourg. Eine solche Dichte ist für die Schweiz, wenn nicht sogar für Europa, einmalig. Diese Bauweise nennt man „Teppichüberbauung“. Was das herausfordernde Bauprojekt einmalig macht, erfahren wir von Manfred Gross, Geschäftsführer der Rappo AG, und von Baukader und Polier Peter Aerschmann.

Ein eisiger Wind fegt an diesem Dienstag im Februar über eine spannende Baustelle in Corminboeuf, einem französischsprachigen 2000-Seelen Vorort von Fribourg. An einem Südhang wird hier auf einer Fläche von 48‘700 m2 seit Januar 2016 und noch bis November 2017 eine sogenannte Teppichüberbauung mit dem Namen Champ de la Croix und 74 zweigeschossigen Einfamilienhäusern gebaut: 27 sogenannte Cluster-Häuser, 30 Solitär-Häuser und 17 Villen.

Manfred Gross führt mich in den Ameisenhaufen, als den man diese Baustelle auch bezeichnen könnte. Die Herausforderung nimmt er gerade vorweg: „Am meisten zu kämpfen hatten wir hier mit den Kranüberschneidungen“, sagt er. Bei maximal neun Kranen und minimal sieben kein Wunder. Die Zusammenarbeit mit der Suva und der Liebherr AG war deshalb von Anfang an eng. Elektronische Krankatzen- und Schwenkbegrenzungen wurden eingebaut und haben das Sicherheitsproblem gelöst. Logistik und Platzmangel waren aber nach wie vor grosse Herausforderungen, da die Siedlung extrem verdichtet gebaut wird. Damit das Baumaterial, wie z. B. die rund 15‘000 m3 Beton, angeliefert werden konnte, wurde um die gesamte Baustelle eine provisorische Baupiste erstellt.

Intensiv, anspruchsvoll, kompliziert und aufwändig

Bald treffen wir auf den Polier, Baukader und Präsident der Sektion Deutschfreiburg, Peter Aerschmann. Er ist einer von sechs Polieren, der hier eine Equipe führt. Insgesamt sind in Spitzenzeiten 65 Bauprofis der Firmen Rappo, Perler und Roggo vor Ort. Die drei Firmen aus der Region Freiburg haben sich in einer GmbH zusammengeschlossen und können so auch grosse Aufträge übernehmen. Fragt man Peter Aerschmann, was an dieser Baustelle so speziell ist, so wird die Komplexität offensichtlich: „intensiv, anspruchsvoll, kompliziert und aufwändig“, fasst er zusammen. Und das sagt einer, der seit 20 Jahren bei der Perler AG arbeitet und seit vielen Jahren Bauprofi ist. Hier brauche es jeden Mann und das funktioniere in der Regel gut, sagt Aerschmann.

Wenig Luft trotz Westwind

Sauer wird er nur, wenn die angeforderten Akkordanten nicht rechtzeitig vor Ort sind. Denn das Programm ist eng und Luft hat’s keine. Nur der Westwind, der uns um die Ohren fegt und Geschäftsführer Manfred Gross den Hinweis entlockt: „Gell Peter, du denkst daran, die Mauren zu sichern? Es könnte gut sein, dass diese sonst umgeweht werden.“ Weshalb sich Gross in seiner Funktion als Geschäftsführer noch um solche Dinge kümmert? Weil er selbst seit 30 Jahren bei der Firma Rappo AG arbeitet und dort eine klassische Baukarriere gemacht hat: Maurer, Vorarbeiter, Polier, Bauführer, Baumeister und seit 2017 Geschäftsführer und Mitinhaber. Da kann man nicht anders, als sich um alles zu kümmern. Was ihn stolz mache an diesem Auftrag, frage ich ihn. Gross schmunzelt: „Etwas so komplexes zu bauen, ist eine Herausforderung für jeden Bauprofi“.

Dicht verwoben wie ein Teppich

Wir betreten eines der Einfamilienhäuser im Rohbau. Hier wird klar, was Aerschmann vorhin mit „intensiv, anspruchsvoll, kompliziert und aufwändig“ gemeint hat. Verschiedene Höhen, Treppen, Mauerwerk, Beton und die ganze Unterkellerung mit Tiefgaragen an Hanglage. Wir steigen auf’s Dach. Unser Blick reicht bis zu den verschneiten Freiburger Alpen, und unter uns entsteht – einem Teppich gleich – dicht verwoben die Siedlung Champ de la Croix. Wie dicht, erklärt mir Gross anhand eines Beispiels: Die Siedlung wird ans Fernwärmenetz der rund 30 Kilometer entfernten Verbrennungsanlage Châtillon angeschlossen. Damit die entsprechenden Rohre zugeleitet werden konnten, musste einer der Krane eine Zeitlang untergraben werden und stand nur noch auf seinen Fundamenten. Wir verlassen das windige Dach und wärmen unsere Finger an einem Becher Kaffee in der Baubaracke. Gross entfaltet einen Stapel Papier: Für jedes Haus besteht ein separates Bauprogramm – und sofort fällt auf, dass jeder Begriff in Deutsch und Französisch geschrieben steht. Das war dem zweisprachig aufgewachsenen Gross von Anfang an klar: „Bei einem solchen Projekt muss jeder Profi auf der Baustelle sofort verstehen, um was es geht.“


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